Bundeskanzler Gerhard Schröder hat am 13. April 2005 im Palais Schaumburg eine Ausstellung mit Bildern von Udo Lindenberg eröffnet.
Im ehemaligen Dienstsitz des Bundeskanzlers in Bonn sind nun einige Gemälde und Likörelle zu sehen. Es ist das erste Mal, dass ein zeitgenössischer Künstler hier ausstellt.
Schröder würdigte in seiner Rede Udos Verdienste für gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland. Laudator Markus Lüpertz nannte Lindenberg einen "ewig jungen visionären Künstler".
Udo bedankte sich für die Ehre, im Palais Schaumburg ausstellen zu dürfen. Als "Strassenkünstler" stehe er hier auch im Namen aller Bürgerbewegungen der letzten Jahrzehnte: Friedensbewegung, Anti-AKW, die friedliche Revolution in der DDR und Rock gegen rechte Gewalt. Anschliessend gab es noch ein Ständchen mit Ellen ten Damme, Vanessa Mason und Jean-Jacques Kravetz.
Bis 28. April bleiben die Bilder im Palais Schaumburg. Einen Tag später wird die grosse Udo Lindenberg-Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn eröffnet.
Fotos von der Vernissage gibt es in unserer Fotogalerie.
"Keine Panik" - Bundeskanzler Schröder eröffnet Udo Lindenberg-Ausstellung
Dem "politischen" Musiker und Maler Udo Lindenberg wurde im Palais Schaumburg eine besondere Ehre zuteil. Bundeskanzler Gerhard Schröder war eigens aus Berlin an den Bonner Sitz des Bundeskanzleramtes gereist, um die Ausstellung "Udo Lindenberg - Bilder und Zeichnungen" vor rund 200 geladenen Gästen gemeinsam mit dem Künstler zu eröffnen.
Dabei nutzte der Kanzler die Gelegenheit, auch dem Menschen Lindenberg für sein Engagement zu danken: etwa für seine Initiative "Rock gegen Rechts", die immer noch aktuell ist, oder für seine Rockshow "Atlantic Affairs", "die den vertriebenen Künstlern des Dritten Reiches nicht nur ein Denkmal setzt, sondern sie auch in die Gegenwart zurück holt", so Gerhard Schröder in seiner Eröffnungsrede am 13. April.
Mit Blick auf den 60. Jahrestag des Ende des Zweiten Weltkrieges am 9. Mai erinnerte Bundeskanzler Schröder an die Verabredung Udo Lindenbergs mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, im Sommer und Herbst zwei Konzerte in Sankt Petersburg mit russischen und deutschen Nachwuchsbands zu veranstalten. Der Kanzler sieht Lindenbergs Konzerte in Russland als guten Auftakt, um ein deutsch-russisches Jugendwerk aufzubauen, so wie es zwischen Deutschland und Frankreich oder Deutschland und Polen realisiert wurde: "Ich denke es ist hoch an der Zeit, dass dies geschieht."
"Udo Lindenberg liefert seit Jahrzehnten den Beweis dafür, dass Lebensfreude und Ernsthaftigkeit, Unterhaltung und Intelligenz, Rockmusik (mit seinem Panikorchester) und auch ein politischer Anspruch sich durchaus vertragen können. Das ist auch ein Grund dafür, dass diese Ausstellung hier im Palais Schaumburg stattfindet", so Gerhard Schröder.
Der Musiker Udo Lindenberg
Lindenberg gelang 1973 mit dem Album "Alles klar auf der Andrea Doria" der Durchbruch. Mit seinem legendären Lied "Sonderzug nach Pankow", mit dem er sich unmittelbar an Erich Honecker wandte, erreichte er, dass er am 25. Oktober 1983 im "Palast der Republik" auftreten durfte - allerdings vor "ausgesuchtem" Publikum.
Schröder: "Das Konzert, dass damals gegeben wurde, hat wirklich ein Stück bundesdeutsche Geschichte geschrieben und ein ganz bestimmtes Signal gesetzt, so auch der Lederjacken- und Schalmeienaustausch mit Erich Honecker. Mit der Undurchlässigkeit der Mauer, die beide deutsche Staaten seinerzeit trennte, hat Lindenberg sich nie abgefunden und auf seine Weise für Durchlässigkeit gesorgt. Seine Musik sickerte durch den Eisernen Vorhang. Auf diese Weise wurde Udo ein Star, nicht nur im Westen, sondern auch in der damaligen DDR."
Als Honecker im September 1987 die Bundesrepublik besuchte, revanchierte sich Lindenberg mit einer Gitarre mit der Aufschrift "Gitarren statt Knarren", die er dem Staatsratsvorsitzenden der DDR überreichte.
Der Maler Udo Lindenberg: Der Rockmusiker Lindenberg, der sich schon zu Beginn seiner Karriere in den siebziger Jahren politisch und gesellschaftlich engagierte, trat neben seinen Auftritten auch zunehmend als Maler in Erscheinung. Seine so genannten "Udogramme", das waren schnelle Selbstportraits, schenkte er Freunden und Fans. Seit 1995 folgten Comics und Gemälde. Seine so genannten "Likörelle" (Zeichnungen aus Likör auf Papier) gelten als einzigartig und sind sogar weltweit patentiert. Lindenberg "hackt mit Pinsel und Stift gegen verschlossene Türen, hinter denen Vergessenheit oder Ewigkeit droht oder wartet. Er schafft es, in seinen Bildern und Blättern Noten Gesichter zu geben, die in ihren Kürzeln den Philosophen das Wasser reicht", so Kunstkritiker und Maler Markus Lüppertz über Lindenbergs künstlerisches Schaffen.
Die Ausstellung "Keine Panik. Udo Lindenbergs bunte Republik" ist vom 30. April bis 29. Mai 2005 im "Haus der Geschichte" in Bonn zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag-Sonntag 9 bis 19 Uhr.
Der Eintritt ist frei.
Gerhard, Udo und der Lindiismus
Vom Straßenmaler zum Staatsmaler oder was Gerhard Schröder und Udo Lindenberg verbindet - Bilder des Rockmusikers erst im Palais Schaumburg und ab Ende April im Bonner Haus der Geschichte
Von Marianne Antwerpen
Bonn.
Er kam zwar nicht mit dem Sonderzug aus Pankow, aber eigens mit dem Flieger aus Berlin. Bundeskanzler Gerhard Schröder nahm sich Mittwoch trotz mächtig vollem Terminkalender Zeit für einen Freund, einen Künstler, einen Rockmusiker, für einen, der "Lebensfreude, Ernsthaftigkeit und politischen Anspruch" verbinde, für Udo Lindenberg.
Der hat immerhin die Ehre, eine Auswahl seiner großformatigen, frechen wie farbenfrohen Bilder im Palais Schaumburg zeigen zu dürfen, bevor sie ab Ende April komplett im Haus der Geschichte unter dem Titel "Keine Panik. Udo Lindenbergs bunte Republik" einem breiten Publikum zugänglich ist.
Am Mittwoch also eine kleine, aber feine Schau an dem Ort, an dem 1973 der Grundlagenvertrag unterzeichnet wurde und die Entspannungspolitik eines Willy Brandt ihren Höhepunkt erlebte und Udo Lindenberg mit seinem "Alles klar auf der Andrea Doria" berühmt wurde.
150 geladene Gäste, unter ihnen NRW-Finanzminister Jochen Dieckmann, die beiden ehemaligen Kanzleramtschefs Horst Ehmke und Manfred Schüler, die Frau des Bundeswirtschaftsministers, Karin Clement, die Schauspielerin Renan Demirkan, der Chef des Hauses der Geschichte, Hermann Schäfer, sowie Bonner Lokalgrößen und Kulturschaffende. Lindenberg, wie gewohnt mit schwarzem Hut und Sonnenbrille, hört denn auch gern, was der Kanzler über ihn zu sagen hatte.
Lindenberg habe mit seinem eigenen Stil nicht nur alle Trends überlebt, er habe auf seine Weise für mehr Durchlässigkeit zwischen der Bundesrepublik und der DDR gesorgt. "Seine Musik sickerte durch den Eisernen Vorhang", so Schröder, "seine Hartnäckigkeit brachte ihn in den Palast der Republik." Lindenberg habe damals ein Signal gesetzt.
Und weil die zwei Freunde sind, wird Udo Lindenberg dem Bundeskanzler beim Aufbau eines deutsch-russischen Jugendwerkes helfen, kündigte Schröder an. Lindenberg habe mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits ein Konzert mit deutschen und russischen Nachwuchsbands im Juli in Sankt Petersburg verabredet.
Was von Udo Lindenbergs Bildern "aus der Sicht großer Kollegen zu halten ist", überließ der Kanzler dem Düsseldorfer Kunstprofessor Markus Lüppertz, der dem Rockmusiker einen flotten Strich bescheinigte, auch ohne Kunststudium. Aber singen hätte er ja auch nicht gelernt, warf Lindenberg ein.
Der Mann mit dem "Hut als schwarzen Heiligenschein" (Lüppertz über Lindenberg) charakterisierte seine eigenen Werke als "Straßenmalerei", nennt seinen unbekümmerten Strich Lindiismus. Solange die Ziele der von ihm unterstützten Bewegungen denen der Regierung gleich kämen, sei er gern bereit "heute vom Straßenmaler zum Staatsmaler" zu werden.
Nach einem Rundgang durch die Ausstellung gab es am Ende noch eine geplant spontane Musikeinlage. Lindenberg vertonte ganz spontan die von Lüppertz auf ihn gehaltene Lobeshymne.