In seiner Heimatstadt Gronau ist dem Sänger Udo Lindenberg bereits zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Zur Enthüllung des Werkes kam der Altrocker persönlich.
Udo Lindenbergs Geburtsstadt hat ihrem berühmtesten Sohn ein Geschenk gemacht: Auf einem Kreisverkehr in Gronau im Westmünsterland reckt seit Sonnabend ein überlebensgroßer Udo Lindenberg sein Mikrofon in die Höhe. Er ist aus Bronze. Udo Lindenberg aus Fleisch und Blut war gekommen, um das Denkmal zu Lebzeiten eigenhändig zu enthüllen. Unter lautem Geheul zog er eine Plane von der drei Meter hohen Skulptur, die er "Freiheitsstatue von Gronau" nennt, und wagte ein Tänzchen auf dem Sockel. "Sie soll Glück nach Gronau bringen", rief er und schickte Küsse und Zigarrenrauchschwaden gen Publikum. Sonnabend war der Abend vor seinem 69. Geburtstag.
Hier ungefähr stand er schon einmal, vor mehr als einem halben Jahrhundert. Damals allerdings, um wegzukommen. "Die beste Straße unserer Stadt, die führt aus ihr hinaus", textete er später. An der Bundesstraße 54, wo der Jugendliche seinen Anhalterdaumen in die Luft hielt, um all das hinter sich zu lassen, haben ihm Fans jetzt ein Denkmal gesetzt. Erst habe er sich gesträubt gegen soviel Personenkult, erzählte Lindenberg. Kein Wunder: Die meisten Stars werden schließlich erst nach ihrem Tod in Bronze gegossen.
Dass jetzt ein Bronze-Lindenberg dauerhaft über Gronau wacht, liegt wohl vor allem an der Verrücktheit einiger hier geborener Fans. "Ich finde das sehr ehrenvoll, dass die das hier für mich machen. Ich war ja immer so ein kleiner Rock-'n'-Roll-Strolch." Dem Chaoten habe man damals gesagt, er solle was Ordentliches lernen. Stattdessen setzte er sich ans Schlagzeug, gleich hier um die Ecke in der Gaststätte "Schützenhof".
"Auch wenn meine Füße immer mal weitergezogen sind, mein Herz wohnt hier in Gronau", rief Lindenberg der Menge am Sonnabend zu. Als er zum Abschied gemeinsam mit 2500 Fans den Evergreen "Horizont" anstimmte, klangen manche Zeilen für einen Moment wie eine gegenseitige Liebeserklärung: "Das mit uns ging so tief rein/ das kann nie zu Ende sein", sangen Lindenberg und die Gronauer gemeinsam.
Foto: Tine Acke