23. April 2013 Udo Lindenberg - "Ich mach mein Ding - Die Show"

Quelle
swr.de, 23.04.2013

Zum 40-jährigen Jubiläum fährt Udo Lindenberg mit seinem Panikorchester ganz großes Geschütz auf: Mit viel Pathos, einer perfekten Bühnenshow und der Unterstützung eines halben Dutzends Gastmusiker macht der Altrocker „sein Ding“ – live, locker und gelöst wie lange nicht.

Udo Lindenberg wollte schon immer hoch hinaus - ein Star sein wie James Dean und Elvis, lässig und leicht wie eine Feder über allem schweben, wie ein Zeppelin. Sein Wunsch wurde erhört: Im Rahmen seiner „größten und bewegendsten Tour überhaupt“ (so der Sänger im Vorwort des Booklets), machte Lindenberg mit seinem Panikorchester im März 2012 auch Station in der Kölner LanxessArena.

Hoch über dem Altrocker auf der Bühne als Dekoration: ein riesiger schwebender Zeppelin, natürlich. Neben ihm auf der Bühne: sein Panikorchester, ein eingespieltes Team. Doch was das Konzert - auch retroperspektiv auf DVD - zu einem absoluten Erlebnis macht, ist das, was die rockenden Hauptprotagonisten zusätzlich mit im Tour-Gepäck hatten: eine Schar an Bühnentänzern und Background-Sängern, ein Kinderchor („Kids on Stage“), ja sogar Luftakrobaten.

Aber damit noch nicht genug

Gleich ein halbes Dutzend prominenter Künstler gab sich mit Lindenberg die Ehre. Beziehungsweise besser gesagt: der Altstar sich mit ihnen. So spielt Lindenberg mit Songwriter Clueso „Cello“, schwimmt zusammen mit Josephine Busch (Hauptdarstellerin im Musical „Hinterm Horizont“) „gegen die Strömung“ und fährt später mit dem trommelnden Stefan Raab gar im „Sonderzug nach Pankow“. Mächtig gute Rock’n’Roll-Laune verbreiten auch die Duette mit dem näselnden Soul-, Funk- und Reggae-Sänger Jan Delay in „Ganz anders“ sowie der Neuauflage „Reeperbahn 2011“. Zwei „Anti-Stimmen“ vereint – ein großer Spaß.

Show der Extraklasse

Neben Rock, Poesie, Pathos und dem ein und anderen eingestreuten, obligatorischen politischen Statement ist an diesem Abend vor allem Soul Trumpf. Neben Jan Delay holt sich Lindenberg mit Nathalie Dorra („Was hat die Zeit mit uns gemacht“) und Celina Bostic („meine erste Liebe“) zwei weitere stimmgewaltige Soulsängerinnen zur Verstärkung ins Boot. Absoluter Höhepunkt einer Show mit mehreren Höhepunkten stellt dann auch das Gänsehaut-garantierende Schlussstück „Hinterm Horizont geht’s weiter“ mit Dorra und einer leidenschaftlichen Josephine Busch dar.

Leidenschaftlicher Hauptdarsteller

Lindenberg räkelt sich auf dem Bühnenboden, flirtet mit heruntergelassener Brille und Dackelblick immer wieder mit den Fans. Der Altrocker zeigt sich in Bestform, gelöst wie lange nicht. Die Haudegen seines Panikorchesters – allem voran Drummer Bertram Engel und der hüpfend-fidele Bassist Steffi Stephan - stehen ihrem Chef in Puncto Performance in nichts nach. Alle auf der Bühne haben Spaß und das sieht man deutlich - jederzeit kameratechnisch perfekt eingefangen und in Szene gesetzt.

Überhaupt, die Technik

Bild und Ton der DVD lassen kaum Wünsche offen, ebenso wenig wie die großzügig eingesetzten Lichteffekte während des Konzertes. Auf gleich vier Silberlingen (2 CDs + 2 DVDs) kommt das Erlebnis für das heimische Wohnzimmer daher. Nach 28 Songs, gut 3 Stunden Livemusik und Rock’n’Soul vom Feinsten ist dann Schluss. Udo macht sein Ding – und alle machen mit.

Text: Andreas Wolf