01. Juni 2024 Udo Lindenberg kommentiert Sylt-Video: „Keiner vermisst euch“

Quelle
Hamburger Abendblatt, 31.05.2024

Der Panikrocker und Hamburgs Ehrenbürger scheut sich nicht vor offenen Worten. Jetzt äußerte er sich auch zu den Vorfällen auf der Insel.

Die Aufregung über das an Pfingsten im Pony-Club auf Sylt aufgenommene Video, in dem eine Gruppe junger Gäste inbrünstig Nazi-Parolen singt, hält weiter an. Nach der Veröffentlichung wurden fast täglich neue Vorfälle mit ähnlichem Ausgang bekannt.

Doch während weiter gegrölt wird, werden auch Demonstrationen veranstaltet und Prominente beziehen Stellung. Nach Kanzler Olaf Scholz, Hamburgs Erstem Bürgermeister Peter Tschentscher und einigen anderen äußerte sich am Mittwochabend jetzt auch Hamburgs Ehrenbürger Udo Lindenberg öffentlich auf Instagram. Seine Worte finden großen Anklang.

Udo Lindenberg äußert sich zu Sylt-Video – mit Mittelfinger-Foto

Nachdem er sich zunächst nicht zu den Vorfällen geäußert hatte, veröffentlichte er jetzt einen emotionalen Text mit Mittelfinger-Foto auf seiner Social-Media-Seite. Dazu heißt es: „Gerade erst haben wir unser Grundgesetz gefeiert, die Würde des Menschen, doch die Geister der dunkeldeutschen Vergangenheit machen vor nichts halt.“

Passend zum 75. Jubiläum des Grundgesetzes hatte Lindenberg mit eindeutigem Appell auf seinen Song „Wir ziehen in den Frieden“ verwiesen. Das „fantastische Grundgesetz in Deutschland“ müsse jetzt nun endlich nur noch voll angewandt werden. Alles andere als begeistert, klingt er, wenn er über die Sylt-Gröler spricht.

„Faschos verpisst euch“: Udo Lindenberg verurteilt Sylt-Gröler aufs Schärfste

„Ja, früher waren die Neonazis leichter zu erkennen – heute haben sie keine Glatzen mehr, sondern stylische Frisuren, und ‘n Glas Schampus in der Hand statt des Baseballschlägers. ‚Nein, sie brauchen keinen Führer und keine braune Uniform, die Klamotten sind jetzt bunt – bei diesen Rich Kids, Schnöseldorfer SchickiMicki-Schleichern. Doch die gleiche kalte Kotze schwappt ihnen wieder aus dem Mund‘.“

Seine Haltung ist eindeutig und unmissverständlich: „Wir dürfen das nicht zulassen. Dass Rassismus sogar noch zum Partyhit wird, dass Menschenverachtung zum Trend wird. [...] Aber wir sind mehr, und wir sind lauter! Also Faschos verpisst euch, keiner vermisst euch.“

Text: Simone Jülicher

Foto: Tine Acke