MÜNSTER. Zigarre paffend und mit dem Schlapphut wackelnd betritt die Legende die Bühne in der Stadt, in der alles begann. Udo Lindenberg im Jovel in Münster. Er ist nicht nur auf einen Eierlikör vorbeigekommen, sondern spielt mal eben ein Konzert für seine lieben Verwandten. Und für die Fans natürlich auch.
„Wir haben irgendwo in einer Scheune angefangen“, sagt Udo Lindenberg und schaut dabei zu seinem langjährigen Weggefährten und Bassisten Steffi Stephan. Der ist nicht nur Jovel-Begründer, sondern hat auch mit Udos Schwester Inge einen gemeinsamen Sohn: Marvin Lindenberg. Zu dessen 40. Geburtstag ist der berühmte Onkel am Montagabend mit Panikorchester angereist und gibt ein dreistündiges „Ständchen“.
Das Jovel war laut Steffi Stephan nach nur zwei Minuten ausverkauft. Glücklich die, die eine Karte ergattert haben. Denn sie sehen eine Show, die vor Kraft und Jugend nur so strotzt. Dass Udo, vor 68 Jahren in Gronau geboren, mittlerweile in den größten deutschen Stadien unterwegs ist, lässt sich der Altrocker nicht anmerken. Und so vermag er auch im „kleinen“ Jovel mit den 1500 Fans ein Konzert der Superlative hinzulegen. Zwischen den Klassikern wie „Odyssee“, „Wozu sind Kriege da“ und natürlich dem obligatorischen „Sonderzug nach Pankow“ kommen auch die neuen Songs zu ihren Ehren.
Und natürlich darf die politische Botschaft nicht fehlen. „Wir sind auf einem guten Weg zur bunten Republik Deutschland“, feiert er die mutli-kulturelle Gesellschaft. Mit „Na und?!“ setzt er sich für Homosexuelle ein. Zudem träume er davon, so erzählt er, dem „Macho Putin in den Arsch zu treten“.
Udo bringt sogar einen Kinderchor auf die Bühne, der komplett im Udo-Outfit steckt und wie eine Sammlung kleiner Udo-Klone wirkt. Schließlich feiert er mit dem Bläserensemble die „Honky Tonky Show“. Das hat so viel Energie, das strahlt so viel Energie ab: Das kann kaum überboten werden. Schwitzend, aber glücklich verlassen die Fans das Jovel nach drei Stunden, in denen Udo alles aus sich und seinem Panikorchester herausgeholt hat.
Nur vom Geburtstagskind und Jovel-Mitbesitzer Marvin Lindenberg fehlt jede Spur. Aber sein Vater wünscht ihm von der Bühne aus: „Ich hoffe, du vergisst deinen 40. Geburtstag niemals.“ Die Gefahr dürfte nicht bestehen. Und auch die Fans werden sich immer an dieses Ausnahmeereignis erinnern.