Promis feiern Panik-Rocker Udo Lindenberg bei Musical-Premiere im Theater am Potsdamer Platz.
Stell dir vor du kommst nach Ostberlin. Und da triffst du ein ganz heißes Mädchen…
Berlins Society-Ladies ließen Udo Lindenbergs (64) Lippen glühen. Bei seiner „Hinterm Horizont“-Premiere am Potsdamer Platz nuschelte er: „Ich mag auch Mädchen aus Westberlin.“ Und schnullte Katja Riemann (Charlottenburg) sowie Minu Barati (Grunewald) ab. Aber wo war Udos Ex-Liebe, von der das Stück handelt?
Im Musical-Theater suchte man sie vergebens. Lindis Kumpel Reinhold Beckmann zur B.Z.: „Das Mädchen gibt’s doch gar nicht.“ Der Moderator war beim legendären DDR-Auftritt im Palast der Republik dabei, sagt: „Ich glaube, das ist eine von Udos Geschichten. Das eine Mädchen habe ich nie gesehen. Vielleicht waren es eher zwei. Oder drei…“
Ein Mädchenschwarm, der alte Rocker! „Udo ist für mich der Coolste“, so Minu Barati.
Aber ein bisschen ging ihm vor der Show die Panik. Lindis aktuelles Mädchen, Fotografin Tine Acke, verriet: „Udo ist bisschen nervös. Leicht angeprickelt.“
Der Kultstar, dauer-qualmend an einer Zigarre: „Boa! So viele Promis hier!“ Ein Schaulauf Deutsch-Deutscher Geschichte auf dem roten Teppich, der ein Drittel länger war als bei der Berlinale. Lothar de Maizière, der erste demokratisch gewählte Ministerpräsident der DDR, Einheitsvater Hans-Dietrich Genscher, sogar Gregor Gysi. Genscher zur B.Z.: „Ich bin ein Udo-Lindenberg-Fan. Auch wenn es heute keinen Unterschied mehr gibt zwischen Mädchen aus Ost- und aus Westberlin.“
Wirklich nicht schlecht: Das Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont" im Theater am Potsdamer Platz.
Eigentlich nimmt man Udo L. die Peace- und Wiedervereinigungs-Attitüde nicht wirklich ab. Als Message-Man hat sich der große Nuschel-Torkler aus Hamburg nie in den Vordergrund gesungen.
Und doch: Fest steht, dass Udo Honey & Co. in den 80ern ziemlich auf den Sack ging mit seinen ständigen Einreise-Anträgen. Fest steht auch, dass es nicht das Geld war, das ihn in die DDR trieb, sondern der Trieb zu beweisen, dass Gitarren stärker sind als Knarren.
Und deshalb ist es nun ganz folgerichtig, dass es dieses Musical gibt. "Hinterm Horizont" – die Story des Lindenberg-Konzerts im Palast der Republik am 25. Oktober 1983. Und die Story der Techtelmechtel-Begleitumstände. Ob es das Mädchen aus Ost-Berlin nun gab oder nicht, die Songs, die sich um diesen Mythos ranken, gehören zum Besten, was Lindy hervorbrachte.
Thomas Brussig hat eine schöne Ost-West-Geschichte aus dem Mythos gestrickt, die den Klischee-Fallen entgeht und mit augenzwinkernden Insider-Gags aufwartet. Mit treffsicherer Balance führt sie die Grausamkeit des Unterdrücker-Systems vor, gleichzeitig aber auch die totale Lächerlichkeit der Apparatschiks.
Erstaunlich auch, wie sich Brussigs Story an die rund 30 Original-Songs anschmiegt. Die sind natürlich was für echte Fans, Ost wie West. Serkan Kaya findet als Udo den richtigen eigenen Ton, Josephin Busch und Anika Mauer sind hinreißend als Mädchen aus Ost-Berlin.
Und wenn dann die Paaady abgeht, mit „Sonderzug“ und „Andrea Doria“ (Regie: Ulrich Waller, Choreografie: Kim Duddy), da hält es keinen mehr auf den Sitzen – zumal es sich Udo, der Echte, nicht nehmen lässt, persönlich eine Zugabe zu singen und Eierlikör zu verteilen. Hut ab, Alter!
Musical-Theater am Potsdamer Platz, 29,90–99,90 Euro, Telefon: 01805-4444