08. Oktober 2012 Udo & seine Tine

Quelle
Berliner Kurier, 08.10.2012

… und sie liebten sich gigantisch

Sie sitzen einträchtig auf dem Sofa in der Smokers-Lounge des Berliner Hyatt. Er raucht Zigarre, trinkt alkoholfreies Bier. Sie – in Leggins, Nietengürtel und Totenkopf-T-Shirt – knabbert an einem Keks. Er ist ein Superstar: Udo Lindenberg. 66 ist er, rockte in diesem Jahr bei seinen Konzerten in ausverkauften Stadien. Sie ist seine stille Muse, seit 15 Jahren unzertrennlich an seiner Seite. Udos Freundin Tine Acke (35).

Wir treffen das Paar. Ganz offen reden sie mit uns über ihre Beziehung. Lindenberg: „Wir sind ein tolles Team, Komplizen, sie macht ihr Ding, ich meins, aber wir machen natürlich auch viel zusammen.“ Gerade waren sie zusammen in den USA, auch bei seiner Tour war Tine stets an Udos Seite, schoss an einem Abend bis zu 1000 Fotos. Jetzt hat sie einen Bildband herausgegeben. Ein Tour-Tagebuch: „Udo Lindenberg – Ich mach mein Ding“ (Schwarzkopf & Schwarzkopf, 308 Seiten, 49,95 Euro). Sie ganz bescheiden: „Ich bin zufrieden.“ Er liebevoll: „Die Fotos sind grandios. Wenn Sie mich fotografiert, ist das natürlich ein Vorteil. Sie kennt mich, ich vertraue ihr blind.“ Wohl wahr, denn niemand ist näher dran an ihm als sie. Tine Acke: „Udo ist ein sehr tiefgründiger, geheimnisvoller Mensch mit zwei Seiten. Nicht immer einfach zu fotografieren. Er wackelt viel mit dem Hut, macht Gesichtsgymnastik. Er hat aber auch viele Schokoladenseiten.“

Der Panikrocker grinst: „Ich bin Doktor Leckerlie.“ Und was schätzt sie an ihm? „Ich nerve manchmal alle mit meinem Perfektionsdrang. Er ist viel entspannter, bringt mich wieder runter. Doch er hat mir ja auch 30 Jahre voraus.“ Er nickt: „Ich kenn’ das aber, mich nannte man damals auch Udo Nervenberg im Studio, ich war oft unzufrieden.“ Heute noch sei er ein Selbstzweifler. „Wenn ich bei einem Song merke, es klemmt, verfalle ich oft in tiefe Zweifel und Depressionen. Ich bin nicht einer, der sich leicht zufriedengibt. Es müssen die totalen Treffer sein.“

Sie ist dabei seine engste Beraterin. Er: „Es sind schon Hits entstanden, weil sie Songs von mir aus dem Papierkorb geholt hat. Das war bei ,Ich mach mein Ding’ so. Sie hat eine Hit-Nase, ist eine tolle Geheimrätin.“

Tine Acke und Udo Lindenberg – ein ungewöhnliches Paar. Er wohnt in Hotels, hat sich gerade ein Apartment am Potsdamer Platz gekauft. „Wir richten es zurzeit ein – mit viel Hightech und einem Beamer. Dort wird auch die Bar von der Tour stehen und ein Originalzeppelin.“ Den habe ihm seine Schwester Inge zu Weihnachten geschenkt. Er stellt aber klar: „Ich wohne dort nicht, das wird eine Partyzentrale für mich und meine Musical-Freunde vom ,Hinterm Horizont’.“

Sie dagegen braucht ihre eigenen vier Wände, lebt in einer Wohnung in Hamburg. Seit kurzem hat sie zwei Katzen, sibirische Neva, Pixie und Gwendi. Tine Acker stolz: „Ich bin voll die Mutter. Und sie haben Vertrauen zu Udo. Das will ja was heißen, wenn dieser dunkle Mann um die Ecke kommt.“

Im Rampenlicht steht sie auch nicht gerne: „Das ist für mich wie ein Todesurteil, wenn die Scheinwerfer auf mich gerichtet sind.“ Er lacht: „Das ergänzt sich gut. Ich lasse mich ja gerne beleuchten.“ Und zu ihr: „Das ist eigentlich schade, du siehst so gut aus, kannst dich doch super sehen lassen. So schön und schlau ist die Panikfrau.“

Was für eine Liebeserklärung!

Text: Anne-Kattrin Palmer
Foto: Sabine Gudath