24. August 2013 Udo singt, wo einst nur der Horizont weiter ging

Quelle
B.Z., 23.08.2013

Udo singt, wo einst nur der Horizont weiter ging: Villa Schöningen nimmt Beckmanns Film über Lindenbergs Ost-Berliner Konzert von 1983 in Dauerausstellung auf.

Das Haus steht da, wo einst der Eiserne Vorhang Freiheit von Diktatur trennten – die Geschichte der deutschen Teilung ist Thema des Museums in der Villa Schöningen.

Zwei beeindruckende neue Exponate gehören seit Montag zur Dauerausstellung – ein Film und eine begehbare Installation.

Stefan Roloff hat einen Raum nachgebaut, ein beschauliches DDR-Wohnzimmer mit viel Ost-Nippes. Erst, wer durch die Fenster guckt, sieht, wie das Leben in der DDR wirklich war: Auf Videos werden Schreckenszenen von Grenzsicherung und Flüchtlingsverfolgung gezeigt.

Das zweite Dauerexponat ist ein Film, den Reinhold Beckmann gedreht hat. 1983 begleitete der heutige Moderator, damals noch Tontechniker mit Lederjacke, Udo Lindenberg auf dessen Reise nach Ostberlin. In der Doku „Die Akte Lindenberg – Udo und die DDR“ sehen wir, wie das Regime den Auftritt als Propaganda-Werkzeug nutzen wollte und wie der Sänger sich dem – größtenteils erfolgreich – entzog.

Museums-Eigentümer Dr. Mathias Döpfner würdigte Lindenberg als einen geistigen und praktischen Wegbereiter der Einheit in einer Zeit, als viele Politiker nicht mehr an die Überwindung der Teilung glaubten. Und lobte darüber hinaus dessen Verdienste für die deutsche Sprache.

„Udo Lindenberg hat sie wahrscheinlich mehr beeinflusst als Goethe“. Steile These? Das Publikum jedenfalls applaudierte laut – und kam anschließend in den Genuss eines gut halbstündigen Hauskonzertes. Im Mittelpunkt natürlich: Das „Mädchen aus Ostberlin“, der „Sonderzug nach Pankow“, „Hinter dem Horizont geht’s weiter“ – und ein sehr feiner, fast schon visionärer Text über Russen, die eines Tages friedlich über den Kudamm flanieren würden. Damals undenkbar, heute normal. Unglaublicher Udo!

Ab Donnerstag, Do.–Fr. 11–18 Uhr, Sa.–So. 10–18 Uhr, Berliner Str. 86, 14467 Potsdam, Tel: (0331) 200 17 39, Eintritt 9 Euro