Neuhardenberg. Mit weißen Baumwollhandschuhen fasst Udo Lindenberg zur Zeichenkohle. Gut gelaunt summt der Rockpoet ein Liedchen, wirft dabei mit routiniertem Strich seine Musen, die Galionsfiguren des Hamburger Hotels Atlantic, an die Wand. Die Ausstellungshalle auf Schloss Neuhardenberg bekommt gerade ein taufrisches Lindenberg-Original.
Der Panikrocker ist persönlich gekommen, weil ihm viel Ehre zuteil wird. Die Stiftung Schloss Neuhardenberg würdigt ihn als einen der vielleicht letzten Hotel-Asylanten. Von denen gab es viele seit Mitte des vorigen Jahrhunderts, als die Grandhotels entstanden. Die Nobelherbergen zogen nicht nur Adel und Wohlstandsbürger, sondern auch viele Künstler an. Letztere wohnten anfangs oft in den billigeren Obergeschossen.
Udo Lindenberg, der schon als junger Mann davon träumte, einmal im Grandhotel zu wohnen, nutzt im Hamburger Atlantic auch ein Dachatelier, in dem schon Oscar Kokoschka und Max Liebermann arbeiteten. Dort stehen jetzt Lindenbergs Eier- und Pfefferminzlikörflaschen auf dem Tisch, Utensilien, mit denen er seine berühmten "Likörelle" malt. Das Spitzwegstübchen ist für Neuhardenberg nachgebaut worden. Selbst eine Original-Lampe hat Lindenbergs Malerfreund Manfred Besser in Hamburg abmontiert und mitgebracht. "Ist schön geworden, sehr liebevoll gemacht", sagt der Rockpoet und findet es ehrenvoll in dieser Ausstellung "einen Spezialplatz" zu haben. Die meisten anderen berühmten Hotelgäste, seien ja schon "abgereist in die ewigen Jagdgründe".
Anhand vieler Original-Exponate ist dennoch lebendig geschildert, wie sich Thomas Mann, Stefan Zweig oder Friedrich Dürrenmatt vom Leben im Nobelhotel inspirieren ließen. Erhellend ist, auch wie genau jeder vom Personal unter die Lupe genommen wurde. Auf Karteikarten notierte es, ob die Leute Trinkgeld gaben, freundlich oder nörglerisch waren. Zuweilen ließen Gäste ja auch etwas mitgehen. Marlene Dietrich zum Beispiel hatte eine Aschenbecher-Sammlung aus Grandhotels. Die von Hardenbergs dagegen, scheinen im Schweizer Waldhaus Sils einiges vergessen zu haben, wie ein Schlüsselanhänger mit der Aufschrift "Sachen von Graf von Hardenberg" verrät.
Grand Hotel Abgrund, Schloss Neuhardenberg, Di-So, 11-19 Uhr, Eintritt 5 Euro
Text: Ulrike Buchmann