Münster - Udo Lindenberg ist Deutschlands größte Hallen gewohnt. Gerade ging seine Tournee zu Ende – ein Triumphzug durch ausverkaufte Häuser. Da war sein Auftritt am Samstag in Münster schon eine Rarität: Zusammen mit seinem Panikorchester spielte er vor gerademal 1500 begeisterten.
Ein Freundschaftsdienst: Steffi Stephan, seit Urzeiten Bassist in Lindenbergs Band, hatte den Gronauer Rockstar als Ehrengast zur Wiedereröffnung des Jovels eingeladen. Steffi Stephans Rockschuppen, der vor zweieinhalb Jahren einer neuen Bebauung weichen musste, hat in einem ehemaligen Autohaus direkt neben der Halle Münsterland ein neues Domizil gefunden. Und das wurde mit einem dreistündigen konzert mit Lindenberg als krönendem Abschluss eingeweiht. Nach dem Konzert traf unser Redaktionsmitglied Gunnar A. Pier den Hauptakteur Udo Lindenberg.
Das Jovel ist wieder da. Was sagen Sie dazu?
Udo Lindenberg: Das sind hier alles gute Freunde, Steffi und Marvin und viele Leute hier aus Münster aus Steffis Gang, die münsteraner Anschieber. Es muss weiter gehen mit ordentlicher Live-Musik, das Jovel hat ja eine lange Tradition. Es gab zwischendurch einige Schwierigkeiten, aber ich freue mich sehr für Steffi, den ich ja schon kenne seit ich 16 war. Es ist schön, dass er so konsequent und super-beharrlich dran bleibt. Du weißt ja: Die Mode kam, die Mode ging und er ist immer noch der King. Aber es kommt natürlich nicht nur auf einen King an, sondern auf die ganze Szene, auf junge Bands. Und die müssen ein Forum haben, damit sie sich ordentlich vor Publikum ausprobieren können. So ein Live-Laden hat in Münster lange gefehlt.
Verfolgen Sie noch, wie sich die Szene in Münster entwickelt?
Lindenberg: Ja, ein bisschen über Steffi und Marvin, die erzählen mir immer was. Manchmal bin ich ja auch bei Steffi im Studio, und dann treffe ich die Jodler und wir basteln ein bisschen rum.
Welche Rolle hat Münster für Ihre Karriere gespielt?
Lindenberg: Wenn ich an Münster denke, dann denke ich natürlich zuerst an die Gründerzeit. Das ist jetzt schon 600 Jahre her, 1973 haben wir die Band gegründet – in Münster in einer kleinen Scheune zur Weihnachtszeit. Es ist schön, wieder hierhin zu kommen, wo der Wahnsinn begann, der ja auch noch kein Ende nimmt.
Und das Jovel?
Lindenberg: Wir haben sehr viele von den großen Shows erstmal in Münster geprobt und eine öffentliche Generalprobe gespielt. In Münster gibt es ein temperamentvolles Publikum, die Westfalen gehen ab wie die Zäpfchen, die sind unbremsbar. Ich selber komme ja Gronau, das weiß ja jeder, also aus der Gegend, wo die Vulkane ein wenig schlafen.
Wie groß ist für Sie als Entertainer der Unterschied zwischen 10.000 Zuschauern wie letztens in der Kölnarena und 1500 Leuten im Jovel?
Lindenberg: Das ist hier sehr intensiv. Es ist anders, es ist auch schön. Wie so ein Kammerkonzert, wo nicht die Effekte kilometerweit wirken müssen. Diese intime Begegnung brauche ich genau so wie die großen Stadien.
Am kommenden Freitag erscheint die Live-DVD von Eurer Tour. Haben Sie sie selbst schon gesehen?
Lindenberg: Das meiste habe ich gesehen, aber der allerletzte Schnitt wird morgen fertig. Ich bin im Studio in Hamburg, da wird nochmal die goldene Hand angelegt, dann ist alles fertig. Die DVD ist sensationell geworden – nicht nur wegen der Nachtigall, sondern auch durch die vielen tollen Freunde, die dabei sind: Stefanie von Silbermond, Jan Delay, Helge Schneider, Otto und so weiter. Eine große Begegnung von vielen Freunden. So finde ich es auch am schönsten - ich, der so etwas wie der Rock-Pate geworden ist: Wenn die ganze Familie zusammen kommt, sind das die schönsten Momente.
Text & Foto: Gunnar A. Pier