Am Donnerstagabend wurde Udo Lindenberg mit dem Deutschen Musikautor*innenpreis geehrt. Der "Panikrocker" bekam den "Sonderpreis Inspiration". Unsere Redaktion war vor Ort und hat den Musiker zu seinem Vermächtnis und seinem bevorstehenden runden Geburtstag befragt.
Am 17. Mai wird Udo Lindenberg 80 – ein Grund zum "Durchhängen" ist das für die Musik-Legende aber noch lange nicht, wie er uns kurz vor der Verleihung des Deutschen Musikautor*innenpreis im Berliner Hotel The Ritz Carlton auf dem roten Teppich versichert hat.
In seiner Rede im Rahmen der Award-Show rief Lindenberg dazu auf, dass es in diesen Zeiten Visionen und Utopien brauche. "Das ist ein Auftrag, den uns die Musik gibt. So habe ich es immer verstanden", machte der Sänger deutlich. Sein eindringlicher Appell: "Diese scheiß Kriege müssen beendet werden und Typen wie Trump und Putin müssen weg."
Herr Lindenberg, Sie wurden mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, haben vom Bambi bis zum Echo nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Wo reihen Sie den Inspirationspreis, der Ihnen beim Deutschen Musikautor*innenpreis verliehen wurde, ein?
Udo Lindenberg: Wie ich gehört habe, wurde mir der Preis verliehen, weil vor allem junge Leute Inspiration aus unseren Songs und Bühnenshows gezogen haben. Ich freue mich, dass es so viele junge Wilde gibt. Es ist in unserem Sinne, dass die Frischlinge nicht so angepasste Dinger machen. Die gehen schön zur Sache – und politisch ordentlich auf den Zeiger. Wir brauchen die jungen Wilden und nicht die angepassten Glatten. Diese Menschen sorgen dafür, dass wir in der Bundesrepublik weiter leben und wirken können. Daher bedeutet mir diese Auszeichnung viel.
Wo wird der Award seinen Platz finden: im Hotel Atlantic in Hambug oder im rock’n’popmuseum in Ihrer Geburtsstadt Gronau?
Natürlich an der Bar, denn Inspiration hat ja auch was mit Spirit zu tun – also mit Schnaps beziehungsweise Spirituosen. Und mit Eierlikör, wobei das ein anderes Thema ist. Aber für gewöhnlich feuert man sich beim Texten von Songs ein bisschen an. Man schreibt Songs leicht angebreitet, liest sie aber nüchtern gegen (lacht). Diese Methode hat sich bewährt. Manchmal schreibt auch der Heilige Geist heimlich mit.
Vor Ihrem 70. Geburtstag haben Sie in einem Interview mit dem "Deutschlandfunk" gesagt: "Ich finde es witzig, dass ein Typ wie ich 70 wird!" Wie finden Sie es denn, dass ein Typ wie Sie bald 80 wird?
Ich kann es nicht glauben. Die Zahl ist nicht so sexy, aber wir sind ja sexy geblieben. Das passt zu meinem Song "Der Greis ist heiß". Das steht für Radikalität und Meisterschaft und nicht fürs Durchhängen. Daher mache ich ordentlich weiter, auch mit Blick auf die Malerei. Es gibt nicht nur die jungen Wilden, sondern auch die alten Wilden. Ich bleibe neugierig und auf der Suche. Es entstehen ständig neue Sachen.
Wie denken Sie über Ihre Anfänge?
Das liegt weit zurück, aber ich habe die Gnade der frühen Geburt. Ich denke an Woodstock, die Studenten-Revolte und den ganzen Flash mit den Hippies. Die Welt verändern und verbessern: Diesen Spirit möchte ich weitergeben.
Fotos: Tine Acke