29. August 2011 Zum Finale Andrea Doria

Quelle
www.moz.de, 28.08.2011

Neuhardenberg (MOZ) Keine Panik! Udo Lindenberg kommt wieder. Für dieses Versprechen erhält der 65-Jährige am Sonnabend in Neuhardenberg viel Beifall. Lindenberg kündigt an, dort im nächsten Jahr „ein großes Konzert“ zu geben – gemeinsam mit Bands aus Deutschland, Polen und Russland. Anlass ist die Unterzeichnung des Grundlagenvertrages vor 40 Jahren, der die Beziehungen zwischen der BRD und der DDR regelte. Zudem möchte er an die „Teenies“ erinnern, die 1945 beim Kampf um die Seelower Höhen „für nichts ums Leben gekommen sind“.

Lindenberg, Zigarre rauchend und Tee trinkend: „Beim Konzert sing’ ich dann ,Wozu sind Kriege da?‘ und so was. Nicht so’n Tritratrallala.“

Der Rockmusiker, der bereits im Herbst 2010 in Neuhardenberg ein Konzert in Erinnerung an den Fall der Mauer gab, kam jetzt wiederholt ins Oderbruch, um im ausverkauften Großen Saal noch einmal für „Udo. Die Ausstellung“ zu werben. Die Stiftung Schloss Neuhardenberg legt die komplette Schau zum Leben und künstlerischen Schaffens des Sängers ein zweites Mal auf, weil eine geplante Ausstellung über sowjetische Zwangsarbeiterlager aufgrund „bürokratischer Schwierigkeiten“ des Partners in Moskau verschoben werden muss.

Die Wiederaufnahme verband die Stiftung mit einer Talkshow. Lindenberg, Thomas Brussig, Autor und Librettist des Lindenberg-Musicals „Hinterm Horizont“, sowie Redakteur Michel Gaißmayer, zugleich langjähriger Wegbegleiter des Rockers und Weichensteller im Ost-West-Kulturdialog, sprachen mit Bernd Kauffmann, Generalbevollmächtigter der Stiftung, über Lindenbergs Bemühungen, in der DDR aufzutreten. „Ich wusste, ich hab’ da viele Freunde. Die wollt’ ich kennenlernen“, erinnert sich der Musiker. „Ich wollte nach Schmusedom, nach Leipzig, unbedingt auch mal an die Orgel von Bach. Und ich wollte wissen, was meine Kollegen Goethe und Schiller so in Weimar machen.“ Zwar darf Lindenberg 1983 bei „Rock für den Frieden“ im Ostberliner Palast der Republik auftreten, doch die ihm bereits zugesagte DDR-Tournee wird ohne Angabe von Gründen wieder abgeblasen.

Für Brussig, der damals mit anderen Fans vor dem Palast stand, war diese Absage „durch die SED-Oberen logisch“: „Die hatten doch Angst vor der Jugend. Den respektlosen Udo konnte man nicht drei Wochen lang durch den Osten touren lassen.“ Gaißmayer ist da anderer Meinung: „Die Tournee wäre glatt verlaufen. Es gab ja ein Vorbild, die Weltfestspiele 1973.“

Das Gespräch bot bis auf die Konzertankündigung für 2012 und Gaißmayers Erinnerungen an Lindenbergs gemeinsamen Auftritt mit Alla Pugatschowa 1985 in Moskau allerdings kaum neue Einblicke. Das Gesagte kann sogar passageweise in einem Begleitblatt zur Ausstellung nachgelesen werden. Dort ist ein Interview abgedruckt, das Kauffmann am 2. März dieses Jahres mit Lindenberg geführt hat.

So folgt denn auch der Höhepunkt des Abends erst nach der Gesprächsrunde. Aus den angekündigten zwei, drei Liedern wird ein gefeiertes, fast dreiviertelstündiges Livekonzert. Begleitet von seinem Panikorchester-Keyboarder Jean-Jacques Kravetz, singt Lindenberg neun Songs – vom „Mädchen aus Ostberlin“ über „Cello“, „Wozu sind Kriege da?“, „Sonderzug nach Pankow“ und „Ich schwöre“ bis „Alles klar auf der Andrea Doria“. Dazu tänzelt er im typischen Lindi-Schritt, wirbelt das Mikrofon durch die Luft, nimmt mehrmals seine Sonnenbrille ab. Udo in Hochform. Also keine Panik!

„Udo. Die Ausstellung“, Schloss (Ausstellungshalle), Neuhardenberg, bis 20.11., Di–So 11–19 Uhr, Telefon 033476 600750